Wer gerne auf Reisen geht, der nimmt neben den obligatorischen Urlaubsmitbringseln oft noch etwas anderes mit. Und das ist das Lebensgefühl des Landes, welches man die letzten Tage oder Wochen erleben durfte. Dazu gehören einzigartige Eigenschaften der Kultur oder die liebenswerten Eigenheiten der Landsleute.

Vielleicht ist es die italienische Siesta, das dänische Hygge oder die englische Tea Time, die wir nach dem Urlaub am liebsten sofort in unseren Alltag integrieren wollen. Oft kommen wir nämlich aus dem Ausland zurück und plötzlich erscheint das eigene Heimatland viel langweiliger als das exotische Urlaubsland, dem man soeben wieder den Rücken zukehren musste. Aber warum ist das eigentlich so? Hat Deutschland denn wirklich nichts zu bieten? Stimmt es, dass dieses Land wirklich nur aus pedantischen Nörglern besteht, von denen sich Touristen aus anderen Kulturen rein gar nichts abgucken können? Ich bin da anderer Meinung. Denn trotz der schwierigen Geschichte und dem angeblichen Spießertum, gibt es viele Eigenschaften die wir an unserer Heimat schätzen können. Und weil wir gerade nur bedingt verreisen können und Deutschland auch als Urlaubsland ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient hat, habe ich im folgenden Beitrag, 10 liebenswerte Eigenschaften der deutschen Kultur zusammengefasst. Vielleicht erkennt ihr euch in manchen wieder.

Kleiner Reclaimer: Alle Punkte basieren natürlich auf meiner subjektiven Wahrnehmung und vieles ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu betrachten.
Aber ohne ein bisschen Humor macht es auch nur halb so viel Spaß, diesen Artikel zu lesen.
Enjoy!

1. Gemütlichkeit

Wer sagt denn, dass die Dänen das ‚Hygge‘ Konzept gepachtet haben? Auch die Deutschen wissen schon lange, wie man es sich richtig gemütlich macht. Und das kann man auch an den unterschiedlichsten Orten. Ein klischeebesetzter Ort, der nicht ausgelassen darf: Der Biergarten. Es ist tatsächlich wunderbar gemütlich an der frischen Luft unter einem grünen Blätterdach zu sitzen und ein erfrischendes Getränk zu sich zu nehmen. Im Biergarten trifft man sich mit Freunden, legt eine Pause während der Wanderung oder der Radtour ein, oder genießt nur einfach den wohlverdienten Feierabend. Bleiben wir am besten gleich bei der Gastronomie – auch urige alte Kneipen und Wirtshäuser strahlen Gemütlichkeit aus. Dort wird meistens schon seit Generationen das gleiche Gericht gekocht und man ist mindestens genauso stolz darauf, dass es immer noch sehr gut bei Stammkunden und neuen Gästen ankommt. Da sitzt man dann und isst auf alten, knarrenden Stühlen, umgeben von Holztäfelungen seinen Braten oder ‚Kloß mit Soß‘. Es ist vielleicht nicht sonderlich hip, aber es kann, wenn man es zulässt sehr gemütlich sein. Und statt die kleine Kneipe, um die Ecke mit der Trattoria auf Elba zu vergleichen, kann man sie auch einfach dafür schätzen, was sie ist – typisch deutsch eben.

2. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit

Wie sagt man so schön? Pünktlichkeit ist eine Tugend. Und auch wenn die pedantische Pünktlichleit oft als ein Vorurteil gegenüber der deutschen Kultur angesehen wird, ist an dieser Redensart wirklich etwas Wahres dran. Pünktlichkeit heißt nämlich vor allem, die Zeit des anderen wertzuschätzen und zu achten. Und das ist doch ein ziemlich gute Eigenschaft oder? Wie bei allen Dingen geht es hier natürlich darum, das richtige Maß zu finden. Wegen ein paar Minuten muss man sich nicht beschweren. Aber aus eigener Erfahrung sage ich, es schadet nicht, sich einfach mal ein paar Minuten früher fertig zu machen. Wer gehetzt in den Tag oder die Verabredung startet, tut sich selbst und seinen Mitmenschen keinen Gefallen. Die Moral der Geschichte ist also: Wer pünktlich ist, zollt seinen Mitmenschen Respekt, man muss aber dennoch aufpassen, dass man hier nicht ins Zwanghafte und in die Pingeligkeit abrutscht ;).

3. Traditionen

Manchmal könnten sie unterschiedlicher nicht sein, aber in vielen Dingen sind wir uns einig: kein Grillfest ohne Kartoffel- oder Nudelsalat, kein Weihnachtsmarktbesuch ohne Glühwein, kein Wochenende ohne frische Brötchen vom Bäcker, kein Karneval/ Fasching ohne Berliner/Krapfen/Pfannekuchen und kein Berlinbesuch ohne (vegetarische Currywurst). Diese Liste kann hier noch endlos weitergeführt werden, aber ich denke ihr wisst, worauf ich hinauswill. Traditionen können auch toll sein!

4. Sonntage

In Deutschland ist der Sonntag heilig und wenn ihr mich fragt, ist das eine tolle Sache. Während in anderen Ländern noch viele Supermarktketten geöffnet haben, sowie andere Läden, kann man in deutschen Städten am Sonntag lange suchen. Dieser Tag wird nämlich der Familie, gutem Essen und der Erholung gewidmet. In vielen Haushalten gibt es frische Brötchen zum Frühstück und dieses wird dann auch ausgiebig zelebriert. Eine weitere Vorliebe vieler Deutscher letzten Tag des Wochenendes: die sonntäglichen Kriminalfälle im Fernsehen, sprich: der Tatort. Zum Tatort Schauen treffen sich alle Altersgruppen und lassen beim neuesten Verbrechen den heiligen Sonntag ruhig (aber auch mit viel Spannung) ausklingen. In vielen deutschen Großstädten bieten Kneipen und und Restaurants ein Tatort Public Viewing an. Na wenn das kein schöner Grund ist, am Sonntagabend dann doch nochmal das Haus zu verlassen.

5. Dialekte

Fast jede Region in Deutschland hat ihren eigenen Dialekt: Doch auch als deutscher Muttersprachler ist es teilweise sehr schwierig, manche Dialekte zu verstehen. Man merkt, dass der eigene Dialekt etwas speziell ist, wenn man seinen Großvater und seinen Vater daran erinnern muss, bei Besuch bitte hochdeutsch zu sprechen ;). Aber genau das ist es, was einen Dialekt ausmacht. Die Vielfältigkeit die verschiedenen Melodien und der Charme, der damit einhergeht. Und ist es nicht eine gute Abwechslung, wenn man sich im Geburtsland manchmal auch ein bisschen fremd fühlt? Umso schöner dass man so gut wie alles erlernen kann.

6. Direktheit

Zugegeben, die Deutschen gehören nicht zum herzlichsten Völkchen. Doch die direkte Art der Deutschen hat auch ihre Vorteile. Man weiß nämlich sofort, wie man dran ist. Smalltalk existiert hier nämlich kaum. Es wird höchstens mal kurz über das Wetter geredet oder nach dem eigenen Befinden gefragt, aber das ist dann auch schon das höchste aller Gefühle. In Deutschland weiß man meistens sofort, ob das Gegenüber einen mag oder nicht. Das ist zwar im letzteren Fall etwas unangenehm, aber man spart sich viel vergebene Liebesmühe. Kurz gesagt: wer in Deutschland zum Abendessen in das zu Hause von Bekannten eingeladen wird, der hat auf jeden Fall das Potential ein guter Freund zu werden ;).

7. Heimwerkertum

Wenn etwas zu Hause gebraucht wird, dann macht man es selbst. Modernes Upcycling sozusagen. Der Trip zum Baumarkt gehört in vielen deutschen Haushalten zum Alltag einfach dazu. Und das ist, meiner Meinung nach, wieder mal eine sehr nützliche Tradition und Eigenschaft.

8. Brotspezialisten

Eine kleine Beobachtung die ich während meines Auslandsaufenthaltes und dem meiner Freunde gemacht habe- wir vermissen deutsches Brot! Hier muss ich nämlich einfach mal protzen, es ist wirklich etwas Besonderes. In England zum Beispiel habe ich oft vergebens nach einem richtigen Bäcker gesucht, französisches Gebäck kann zwar für eine Weile ganz lecker sein, aber nach einiger Zeit vermisst man dann doch das gute, alte Vollkorn- oder Mischbrot. Wer stimmt mir da zu? Und immer noch bin ich besonders für die kleinen, familienbetriebenen Bäcker um die Ecke dankbar, bei denen ich am Wochenende (ganz traditionell) meine Brötchen kaufen kann.

9. Feste

Auch Deutsche lieben Feste: Erster Eindruck hin oder her, auch die Deutschen lieben es zu feiern. Die jährliche Kirchweih in jedem Dorf (ja, wenn man länger darüber nachdenkt ist es komisch), der Eintritt in die Jugend (eine tolle, zwar völlig unnötige Tradition für alle, die keine Konfirmation haben, aber hey es gibt Geschenke), der erste Mai, das berühmte Oktoberfest, Sonnenwenden und viele mehr. Wie heißt es noch mal so schön? Man muss die Feste feiern, wie sie fallen! Und das machen wir hier meiner Meinung nach ziemlich gut.

10. Nachbarn

In Deutschland kennt man noch seinen Nachbarn. Ja, ich muss zugeben, dass die Sache mit den Nachbarn bei vielen auch eine Hassliebe sein kann. Aber ganz davon abgesehen, wie gut man sich mit ihnen versteht, ist es doch eigentlich eine sehr schöne Sache den nächsten Anwohner zu kennen. Die Tatsache, dass man in einer neuen Stadt vielleicht nicht vollkommen alleine ist, macht vieles leichter. Versteht man sich im besten Fall noch gut mit den besagten Nachbarn, dann fühlt sich das doch schon viel mehr nach Heimat an.

Wie der Name meines Blogs schon verrät, soll es hier zu einem großen Teil um Heimat gehen. Und das ist Deutschland mit seinen kleinen und großen Eigenheiten eben auch. Oft haben sich meine Beobachtungen bewahrheitet, manchmal aber auch nicht. So ist das nun mal und das ist auch gut so! Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und vielleicht fallen euch auch noch ein paar Eigenschaften ein, die ihr schätzt, oder die euch zum Schmunzeln bringen. Schreibt sie gerne in die Kommentare!

Alles Liebe

Euer Homebody

Anika

Hej! Ich bin euer Homebody und teile mit euch meine Gedanken rund ums Thema Heimat und Augenblicke, die den Alltag versüßen. Macht es euch mit einer Tasse Tee gemütlich und fühlt euch hier ganz zu Hause!

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