„Das Möwengeschrei vor dem Fenster weckte sie auf. Durch die Schlitze des heruntergelassenen Rollos verschaffte sich die Sonne langsam Zugang zu ihrem kleinen Zimmer. Schon wieder Sonntag, ein freier Tag ohne Verpflichtungen und Termine. Aber auch ein einsamer Tag. Der symbolische Tag für alle Familien und Freundeskreise, die die letzten Stunden des Wochenendes und die unbeschwerte Zeit zusammen genossen. Doch ihre Familie und Freunde waren auf der anderen Seite des Meeres, sie frühstückten zusammen, machten einen Spaziergang oder blätterten die Supermarktangebote der nächsten Woche durch, sie bereiteten den Sonntagsbraten vor oder gingen mit dem Hund spazieren. Es war Anfang März und die bunte, aufregende und fröhliche Küstenstadt in die es sie gezogen hatte, war kalt und sie war alleine. Oben in der Küche hörte sie wie die Mitbewohnerin den Wasserkocher anstellte und die Tür zu ihrem Zimmer zuschlug. Ihre Begegnungen bestanden aus höflichem Smalltalk, überspielter Kritik und belanglosem Austausch von Alltagsthemen. Verschlossene Herzen hatten keinen Raum für Neuankömmlinge, das wusste sie jetzt. Doch sie wusste neben der Einsamkeit auch so viel mehr. Sie wusste, dass sie hier nicht hergehörte und das war okay. Sie wusste, dass sie am schönsten Ort der Welt wohnen konnte, doch das Paradies war nur in den Armen derer, die sie liebte. Sie wusste, dass sie Vertrautheit, Rituale und Traditionen vermisste, die ihr sonst nie aufgefallen waren. Sie wusste nun, wo ihre Wurzeln lagen, und das war nicht hier. Sie waren tief vergraben unter Tannenwäldern und Fachwerkhäusern, in Kaffeeduft und Motorölhänden, unter kurvigen Straßen und steilen Hügeln, in Sicherheit und Nähe und in Insidern und Lachkrämpfen. Und das war gut so.“

Vom Weggehen und Ankommen

Hej ihr. Willkommen bei Perks of being a Homebody. Mein erster Blogpost ist eine Mischung aus Melancholie und Vorfreude. Die zwei Hauptauslöser warum ich diesen Blog gegründet habe, sind nämlich folgende: Heimweh und die bittere Erkenntnis, dass im Leben nicht immer alles so wird, wie man es sich vorstellt.

Das ist für viele von euch wahrscheinlich keine große Überraschung. Tatsache ist jedoch, dass ich festgestellt habe, dass in unserer Welt oft nur die glamourösen Momente offen gezeigt werden. Es scheint, als gingen große Träume immer in Erfüllung, der Seelenverwandte wartet an der nächsten Ecke und der lang ersehnte Jahresurlaub war einfach nur perfekt.

Oberflächlich betrachtet, sieht das Leben der anderen immer so einfach aus. Und ich, Englisch Absolventin und großer Great Britain Fan dachte, dass ich im Ausland genauso wie alle meine Kommilitonen, Freunde und die Bekannte des Bruders meiner Cousine (ihr wisst worauf ich hinaus will), die Zeit meines Lebens haben werde. Schließlich stürzt man sich ganz alleine in ein großes Abenteuer, trifft ausschließlich spannende Menschen und fühlt sich die ganze Zeit wie Bilbo Beutlin am Anfang seiner Reise – vorfreudig, glücklich und aufgeregt.

Kleiner Spoiler: So war es aber nicht. Ich hatte erwartet, dass sich die ganze Zeit im Ausland wie Weihnachten und Geburtstag zugleich anfühlen würde. Schließlich hatte ich es ja schon so lange geplant und kannte das Land und die Leute durch viele Urlaube und mein Studium in- und auswendig. Als jemand, der nach jedem Urlaub im Ausland zwei Tage lang genervt war, wieder im ‚langweiligen‘ Deutschland zu sein, hätte ich nicht gedacht, dass ich mein Heimatland so sehr vermissen würde. Versteht mich hier bitte nicht falsch, nicht alles war schlecht, ich habe nette Leute getroffen, habe viel gesehen und hatte auch Spaß. Es war eben nur einfach nicht, wie ich es mir vorgestellte hatte und viele Dinge haben mich enttäuscht aber mir auch die Augen geöffnet, was gut ist!

Für jeden ist eine Auslandserfahrung anders. Als jemand der schnell zu begeistern, ist, um nicht zu sagen naiv, war es deshalb anfangs ein kleiner Schock auch andere Seiten von meinem Lieblingsland kennenzulernen. Kein Land ist perfekt, Deutschland ganz bestimmt nicht, aber ich habe gemerkt, dass ich in England nicht noch einmal leben möchte. Was ich herausgefunden habe, ist, dass ich ohne es zu merken, auf eine ganz besondere Art an das Land gebunden bin, in dem ich aufwuchs. Ich habe sozusagen erkannt, wo meine Wurzeln liegen. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Denn das hat mir eine Perspektive für meine Zukunft gegeben. Ich fühle mich sicher und bin zuversichtlich. Und ich möchte anfangen mein zu Hause, dass ich auf der windigen Insel so vermisst habe, mehr wertzuschätzen.

Deshalb beschäftige ich mich auf Perks of being a Homebody mit Themen rund ums Thema Heimat, zu Hause sein und Ankommen. Mal wird es philosophisch, mal lege ich mich ins Zeug und liefere euch gut recherchierte Inhalte (fingers crossed), stelle euch andere Homestories in Personenporträts vor oder ich teile meine heimliche Leidenschaft für Interior Design mit euch. Ich nehme euch mit auf kleine und große Eskapaden in meiner Umgebung, oder weiter weg und zeige euch Momente, die meinen Alltag besonders machen.

Ich freue mich auf diese besondere Reise (auch wenn sie größtenteils vor meinem Laptop stattfindet).

Euer Homebody

PS: Den Namen Homebody habe ich von einer Freundin, der ich mein Leid in England geklagt habe. Sie ist Australierin und meinte, dass die Definition eines Homebodys genau auf mich zutrifft. Wenn Ihr mehr über den Begriff Homebody erfahren wollt, dann schaut doch auf meiner Seite unter ABOUT vorbei.

Anika

Hej! Ich bin euer Homebody und teile mit euch meine Gedanken rund ums Thema Heimat und Augenblicke, die den Alltag versüßen. Macht es euch mit einer Tasse Tee gemütlich und fühlt euch hier ganz zu Hause!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

    1. Anika

      Vielen lieben Dank für das liebe Kompliment, das bedeutet mir sehr viel! 🙂

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