Ein kleines Mädchen mit gestrickter Zipfelmütze das durch den weißen Schnee auf einem Schlitten gezogen wird, die eisige Luft brennt auf ihren Wangen. Schnitt. Die nackten Füße baumeln über frisch gemähten Gras und es riecht vielversprechend nach würzigem Grillgut, Fruchtbowle und Sommerregen. Schnitt. Die Krankenhaustür öffnet sich, das Zimmer ist so weiß, dass sie geblendet wird. Doch als sie ein paar Schritte in den Raum geht, sieht sie die kleine Gestalt in einem Bettchen liegen, jetzt ist sie eine Schwester. Schnitt. Ihre Hände umschließen krampfhaft den Füllhalter, vor ihr liegt ein leeres Blatt voller Dinge die ihr den Kopf schmerzen lassen, das wird sie nicht schaffen. Schnitt. Aus der süßen Schokolade, die sie zerbeißt, kommt eine bittersüße Flüssigkeit herausgeflossen, es schmeckt nach Abenteuer, Verbotenem und Erwachsensein.

Ein Ort wo die Zeit stehen bleibt

Manchmal, da wird ein kleiner Film vor unserem Auge abgespielt. Wir sind im Hier und Jetzt, der Gegenwart aber doch so weit entfernt. Das passiert, wenn wir uns erinnern. Wir sind Zeitreisende in unsere eigene Vergangenheit, wir fühlen förmlich voller Entzückung die schönen Dinge, die uns passiert sind und erschrecken uns erneut über manchen Schmerz den wir empfunden haben. Doch was machen Erinnerungen mit uns als Menschen? Was sind wir ohne unsere Erinnerungen?

Wie wir uns an Dinge erinnern, hängt nicht nur von der Art des Erlebnisses ab, sondern auch davon, was für ein Mensch wir sind. Ein pessimistischer Mensch wird sich viel intensiver mit negativen Gefühlen an bestimmte Ereignisse in seinem Leben erinnern, als ein von Grund auf positiv eingestellter Mensch. Das bedeutet, dass unsere Erinnerungen stark von unseren Emotionen beeinflusst werden. Können wir Ihnen dann überhaupt noch trauen? Wir suchen uns aus, in welchen Situationen wir an bestimmte Dinge in der Vergangenheit zurückdenken. Und so verändern wir auch mit jedem Zurückschweifen unsere Vergangenheit, nichts ist also in Stein gemeißelt und wahrscheinlich auch nicht genauso passiert.

Erinnerungen geben uns Halt

Unser Selbstbild wird von Erinnerungen geprägt. Wir konstruieren unsere Realität um unsere Vergangenheit und wie wir sie wahrgenommen haben, herum. Schon das Wort „erinnern“ enthält das Wort „Inneres“. Was wir entscheiden, in unserem Gedächtnis zu speichern, wird mehr oder weniger zu einem Teil von uns. Auch unsere Sinne tragen einen größeren Teil zu unserem Erinnerungsvermögen bei, als wir denken. Besonders gut gefällt mir die Redensart, schöne Erinnerungen in ein Marmeladenglas zu stecken und immer wieder dran zu riechen und sie zu schmecken, wenn man es öffnet. Wer kennt es nicht, einen bestimmten Geruch wahrzunehmen und sich sofort wieder in dem Moment zurückversetzt fühlt, in dem man ihn das erste Mal gerochen hat. So können bestimmte Sinneswahrnehmungen, die eine schöne Erinnerung in uns hervorrufen, auch Halt geben. Der Duft von frisch gebackenem Kuchen zum Beispiel, der an die behütete Kindheit zurückdenken lässt. Der vertraute Duft von Kaffee und Motorenöl erinnert an den Vater, der in der Frühe schon geschäftig in der Küche stand und das Frühstücksbrot schmierte. Wie schön und wie wertvoll so manche Momente noch mal zurückholen zu können. Es lässt uns die Dinge in der Gegenwart mehr schätzen und die Menschen die Teil dieser Momente waren. Wer den Wert und die Moral von Erinnerungen erkennen kann, kann seine eigenen Bedürfnisse erkennen und die Ziele verfolgen, die man sich aufgrund dieser gesetzt hat. Erinnerungen geben uns Halt, indem sie uns darauf aufmerksam machen, wer wir waren und wer wir jetzt sind. Sie geben uns Handlungsimpulse und formen unsere Persönlichkeit. Und auch Menschen die wir verloren haben, Orte die wir besucht haben und schöne Momente, die vergangen sind, können durch Erinnerungen für einen kurzen Moment wiederholt werden, sind präsent.

Erinnerungen sammeln

Erinnerungen und Heimat

Wenn wir überlegen, was Erinnerungen mit Heimat verbindet, muss man gar nicht so lange nachdenken. Meistens fand nämlich unsere erste Erinnerung genau dort statt, was wir heute unsere Heimat oder unser zu Hause nennen. Und oft sind die schönsten Erinnerungen an die Menschen geknüpft, mit denen wir lange Zeit unser zu Hause geteilt haben. Nun ist seitdem wahrscheinlich viel Zeit vergangen und wir sehnen uns an die unbeschwerte Zeit zurück. ‚Früher war alles besser‘ und ‚ach könnte ich doch noch ein Kind sein‘ heißt es dann. Dieses Gefühl wieder in alte Zeiten zurück zu wollen, dürfte euch allen bekannt sein, man nennt es Nostalgie. Wenn wir uns mit anderen an frühere Zeiten zurückerinnern, stärken wir unser Zusammengehörigkeitsgefühl und machen uns bewusst was uns damals wirklich gutgetan hat. Nostalgie kann eine wunderbare Methode sein, um den Alltag zu entkommen, trotzdem sollte man aufpassen, die Vergangenheit nicht zu sehr zu idealisieren. So wird man schnell unzufrieden und vergisst, dass die Zeit früher auch nicht unbedingt perfekt war. Denn man sagt schließlich auch: ‚Home is where the heart is‘. Und wenn unser Herz immer öfter an Erinnerungen mit der Familie und der Heimat hängen bleibt, dann sollten wir versuchen, Neue mit ihnen zu schaffen. Das können mehr Heimatbesuche, regelmäßige Telefonate oder Ausflüge sein. Je mehr wir an eine bestimmte Sache erinnern, desto mehr sollte uns bewusst werden, dass der Kern dieser Erinnerung, ein inneres Bedürfnis ist.

So schafft ihr neue unvergessliche Erinnerungen

Mir selbst wurde einmal geraten, dass es weiser ist Erinnerungen statt Dinge zu sammeln. Das stimmt, ich sage jedoch, dass auch Dinge Erinnerungen hervorrufen können. Man muss nur hier wieder, wie in jeder Lebenslage, ein gesundes Gleichgewicht finden. Wer schon lange davon träumt sich etwas Besonderes anzuschaffen, der soll das tun. Aber wenn schon Geld ausgeben, warum nicht auch ein denkwürdiges Erlebnis daraus machen? Wer sich an schöne Momente erinnern möchte, aber Angst hat diese zu vergessen, kann das ganz einfach tun, indem ihr euch ganz auf das Hier und Jetzt konzentriert. Wer sich der Einzigartigkeit des Moments genau zu dem Zeitpunkt bewusst wird und das vielleicht auch noch seinen Mitmenschen gegenüber laut äußert, der läuft weniger Gefahr, diesen zu vergessen. Um schöne Erinnerungen zu schaffen, könnte man auch öfter mal die Komfortzone verlassen und immer wieder neue (Alltags-) Abenteuer planen. Wer besondere Momente auch gerne digital festhält, kann diese ehren, indem er sie nicht auf dem Handy lässt, sondern ganz ‚old School‘ ein Fotoalbum bastelt. Auch so kann man die schönen Erinnerungen noch mal aufleben lassen. Wer an seine schönsten Erinnerungen zurückdenkt, dem fällt bestimmt auf, dass es nicht immer die großen Dinge sind, die besonders erinnerungsträchtig sind, sondern auch einfach die kleinen Momente, die wir tagtäglich erleben. Wir müssen uns das nur viel öfter bewusst machen. Denn wir können entscheiden, auf was wir nach einiger Zeit sehnsüchtig zurückblicken.

Anika

Hej! Ich bin euer Homebody und teile mit euch meine Gedanken rund ums Thema Heimat und Augenblicke, die den Alltag versüßen. Macht es euch mit einer Tasse Tee gemütlich und fühlt euch hier ganz zu Hause!

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