Ich hatte das Glück in einem Haus aufzuwachsen, mit dem Wald direkt vor der Tür. Meine Kindheit hat sich deswegen zu einem großen Teil auch im Wald abgespielt. Ich baute aufwendige Lager aus Ästen, kletterte auf Bäume und ging im Sommer mit meinen Freunden im Bach baden. Rückblickend klingt das fast zu schön um wahr zu sein. Wie aus einem Astrid Lindgren Roman. Doch wie so vieles, wurde auch der Wald für mich langsam zu einer Selbstverständlichkeit und ich beneidete Menschen die in Meernähe wohnten.

Haus im Wald

Vom Wald zum Meer und wieder zurück

Urlaubsdestination Nummer eins war also für mich immer der Gegensatz vom Wald, das Meer. Meeresluft schnuppern, den Sand zwischen den Zehen spüren und in den endlosen Horizont schauen, nichts fühlt sich so befreiend und beruhigend an. Mein Traum war es ans Meer zu ziehen, oder wenigstens einmal dort zu leben. Und dieser erfüllte sich auch. Ein halbes Jahr habe ich in der englischen Statdt Brighton gewohnt. Mit einem Zimmer dass nur zehn Gehminuten vom Meer entfernt war, Möwen die auf meinem Dach wohnten und viel Wind. Am Anfang war all das zu schön um wahr zu sein, doch immer mehr wurde mir bewusst, wie sehr mir doch der Wald fehlte. Ich vermisste es mich ins dicke, weiche Moos zu setzen, den Wind in den Baumwipfeln, den harzigen, warmen Geruch und die Stille. Der Strand und die immergleiche Promenade, hatte nichts mit dem Rückzugsort gemeinsam, den mir der Wald bot. Am Meer konnte ich keine neuen Wege entdecken, keine Blumen auf Lichtungen pflücken, oder Wasser aus dem Bachlauf trinken. Und mir wurde bewusst, ich liebe das Meer, aber den Wald manchmal noch ein bisschen mehr.

Baumpilze im Wald

Das Waldbaden und seine Vorteile

Statt im Meer zu baden, gehe ich also jetzt regelmäßig Waldbaden. In den letzten Jahren wurde dieser Begriff regelrecht zum Trend. Waldbaden oder ‚Shinrinyoku‘ kommt aus der japanischen Kultur, gilt als ein beruhigendes Heilmittel für Stress und trägt zur allgemeinen Gesundheit bei. Was man beim Waldbaden machen muss? Eigentlich nicht viel. Man kann spazieren gehen, sich an einen Baum lehnen oder sich einfach ins Gras setzen. Der Wald tut dann den Rest. Denn die wunderbar duftenden Nadelbäume setzen ätherische Öle frei, die gut für unser Immunsystem sind. Der Wissenschaftler Qing Li hat auch bewiesen, dass ein Aufenthalt im Wald gut gegen Angstzustände, Depressionen, Wut und Stress sein kann. Beim Waldbaden geht es darum, die Natur bewusst wahrzunehmen und ganz bei sich anzukommen. Hier wird man nicht abgelenkt und kann die Sorgen des Alltags kurz vergessen.

Im Wald erholen

Der Wald ist ein Wunderheiler

…sagte die beste Freundin meiner Mama einmal und daran muss ich immer denken wenn ich im Wald bin. Für mich fühlt sich im Wald zu sein auch immer ein kleines bisschen, wie zu Hause ankommen an. Alles ist vertraut und ich bin aufgehoben und sicher. Auch wenn ich oft die gleichen Wege nehme, entdecke ich jedes Mal etwas Neues. Oft komme ich mit Sorgen oder Problemen in den Wald und wenn ich aus ihm hinaustrete, dann fühle ich mich immer ein kleines bisschen leichter. Erholung bedeutet für mich nicht mehr nur ein Urlaub am Meer, denn die kleine alltägliche Freude eines Waldspaziergangs ist mindestens genauso schön. Der Wald ist wirklich mein ganz persönlicher Wunderheiler.

Euer Homebody

(Quellen: Qing Li: Die wertvolle Medizin des Waldes)

Anika

Hej! Ich bin euer Homebody und teile mit euch meine Gedanken rund ums Thema Heimat und Augenblicke, die den Alltag versüßen. Macht es euch mit einer Tasse Tee gemütlich und fühlt euch hier ganz zu Hause!

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